Monat: Mai 2019

 

Täter, Opfer, Richter

Wer noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein. (Bibel)

Die Deutschen spielen gerne Richter. Sie richten vornehmlich gerne gegen Gotteslästerer, psychisch Erkrankte, Straftäter, die ihrer Meinung nach zu milde bestraft wurden und gegenüber jedem, der nicht in ihr Weltbild passt. Erstaunlich dabei ist, dass sie dabei, wie so viele auch, sich in Erster Linie mit den Tätern beschäftigen, als mit den Opfern, die ja schon in der öffentlichen Wahrnehmung weniger Aufmerksamkeit bekommen, als ihre Peiniger.

Der weiße Ring und andere Opferschutzorganisationen bemängeln dies, aber eine Änderung ist nicht in Sicht. Viele Deutsche fordern teilweise blind drauf los, ohne wirklich reflektiert darüber nachgedacht zu haben und wundern sich dann, dass sie am Ende nichts mehr mitbekommen, weil sie sich im ersten Moment darüber aufregen und im zweiten Moment es wieder vergessen, bis eben die nächste Missetat in der Öffentlichkeit von den Medien auf einem Präsentierteller garniert mit Übertreibungen und Dramatisierungen zur Schau gestellt wird, wo viele von uns Menschen, dann wieder für einen Tag Richter spielen. Sei selbst die Veränderung für die Welt, die du möchtest, übernehme Verantwortung für dich und dein Handeln, gerät immer mehr in Vergessenheit bzw. in die nicht mehr mögliche Umsetzbarkeit, weil jeder über jeden bevorzugt pauschalisiert, als eben mal über sich selber, oder die Hintergründe nachzudenken. Beim Narzissten wird auch nur auf sein Verhalten geguckt, welches Vordergründig vorliegt, aber auf seinen Backround guckt keiner, wenn er nicht mindestens als Kind missbraucht wurde oder Drogen konsumiert hat und die Medien in aller Ausführlichkeit darüber berichtet haben.

Ich möchte keinen Straftäter, keinen Psychopathen in Schutz nehmen. Ich möchte nur deutlich machen, durch welche Brille so manch einer guckt. Ich bin froh, dass wir in einem Rechtsstaat leben und es gewisse Gesetzte gibt, nach denen geurteilt wird. Ebenso bin ich froh, dass es Richter dafür gibt, die ein für die Gesellschaft faires Urteil fällen. Nicht immer erscheint uns das Verbrechen so offensichtlich, wie es in Wahrheit ist. Und nicht immer ist der Täter schuldig im Sinne der Anklage. Ferdinand von Schirach sprach sogar davon, dass man einem Mandanten nicht glauben muss oder ihn für unschuldig halten muss, um ihn zu verteidigen, denn jeder Mensch hat ein recht auf angemessene Verteidigung und da spielt es keine Rolle ob jemand schuldig ist oder nicht. Vorverurteilungen sind also mit besonderer Vorsicht zu genießen. Das zeigen viele in Deutschland bekannt gewordene Rechtsirrtümer oder Präzedenzfälle, wo am Ende ein Unschuldiger büßen musste oder auch in Schirachs Erzählungen, wie ein Schuldiger frei kam. Deswegen alle Menschen unter Generalverdacht stellen, ist Unsinn. Wer noch nie gesündigt hat, werfe an dieser Stelle den ersten Stein. Und man sollte auch nicht dabei vergessen, dass viele Straftäter selber in ihrer Kindheit ein Opfer waren und niemanden hatten, der sie in Schutz genommen hat.

Wie soll ein Kind lernen, was richtig oder falsch ist, wenn ihm in der Kindheit nicht der Unterschied erklärt wurde. Viele Straftäter haben nicht gelernt Verantwortung zu übernehmen (siehe auch Differenzierung und Beschreibung der dissozialen PS) und handeln nun aus ihrer Krankheit heraus, was jetzt nicht heißt, dass sie nichts dafür können oder es dürfen. Nur man sollte nicht zu früh ein abschließendes Gesamturteil über diesen Menschen fällen oder dazu aufrufen diesen Menschen, das gleiche anzutun, oder gar schlimmeres. Vergeltung ist kein Menschenrecht. Vergeltung ist genauso verwerflich, wie die Tat selber, die man vergelten will.

In der Berliner Charite gib es eine Tagesklinik bzw. Ambulanz für Menschen, die an Pädophilie erkrankt sind. Auch in anderen größeren Städten halten die Unikliniken solche Behandlungseinheiten bereit. Heutzutage wird vergessen, dass Pädophilie auch eine Krankheit ist. Natürlich ist das Verhalten eines Pädophilen verantwortungslos sobald er seine Sexualität offen auslebt und muss sanktioniert werden, wenn er keine Verantwortung für seine Neigung übernimmt und sich an Kindern vergreift. Und auch für die Opfer muss gesorgt werden. Ich verstehe auch, dass das Umfeld im ersten Moment schockiert ist über die Abscheulichkeit dieser Tat. Es ändert aber nichts, wenn man dem Täter noch mehr Aufmerksamkeit gibt, als sich selbst. Es bringt nichts, wenn ein Pädophiler, genauso wie ein Narzisst dämonisiert wird. Die Gesellschaft muss geschützt werden vor Menschen, die keine Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen können oder wollen, aber es führt zu nichts, wenn sich die Massen auf diese Menschen stürzen und sie öffentlich denunzieren. Jeder Mensch verdient eine Chance, sich zu ändern. Wer einem Menschen dieses Recht verwehrt, leidet in meinen Augen selber an Empathielosigkeit.

Das sagt Deutschlands bekannteste Kriminalpsychologin Lydia Benecke im Übrigen über Pädophile:

Wenn ich mit pädophilen Tätern arbeite, sagen sie oft in der ersten Stunde: „Ich weiß, dass meine sexuellen Phantasien nicht normal sind. Ich weiß nicht, warum ich sie habe. Aber können sie mir helfen, damit diese Phantasien für immer verschwinden und ich ein normaler Mensch sein kann?“ Ich weiß, dass diese Menschen sich wirklich nicht erklären können, warum sie solche Phantasien haben und dass sie sich wünschen, nicht so zu sein. Ich muss ihnen dann sagen, dass ich ihnen helfen kann, ein zufriedenes Leben führen zu lernen, in dem sie anderen nicht mehr schaden. Doch diese Neigung einfach auslöschen, dass können wir Therapeuten zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Viele Betroffene sind darüber so erschüttert, als würde man ihnen eine Krebsdiagnose stellen.“

Ich bin dankbar, dass mir ein solcher Lebensweg erspart geblieben ist. Das hatte zu einem guten Teil einfach mit Glück zu tun. Daher stelle ich mich nie moralisch über die Täter, mit denen ich arbeite. Denn ich bin dankbar, nie in ihren Schuhen gelaufen zu sein. „

Warum ich jetzt über dieses Thema schreibe und meine Meinung kund tue ist ganz einfach. Ich habe bei Youtube einige Videos eines Menschen gesehen, der sich in seiner Art und Weise zu unterschiedlichen Themen äußert. Er bezeichnet Pädophile als Abschaum. Er würde Ihnen nicht die Hand schütteln. Er gibt sich im Internet als minderjähriges Mädchen aus, welches noch keine allzu großen sexuellen Erfahrungen hat um sich dann mit älteren Männern zu verabreden, um diese dann vor laufender Kamera bloß zustellen. Ich bin nach wie vor froh, dass wir in einem Rechtsstaat leben und dass die Verfolgungsbehörden sehr viel investieren um Straftaten an Kindern aufzuklären und den Händlern von Kinderpornos oder den Konsumenten diesem Materials die gerechte Strafe oder Therapie zukommen zu lassen. Ich würde selber aber niemals auf die Idee kommen, das Recht selbst in die Hand zu nehmen, mich als Mädchen ausgeben (ich hab das einmal gemacht, vor einigen Jahren, das gebe ich zu, um eben diese perversen/krankhaften Machenschaften am eigenen Leib zu erfahren und sicher auch aus Neugierde), mich mit den Männern zu verabreden um diese dann vor laufender Kamera bloß zu stellen und dieses Video dann auch noch bei Youtube hochzuladen, damit jeder mir sagt, wie geil ich bin und wie scheiße doch die Pädophilen sind und dass diese Menschen es verdient haben, zu sterben. Ja, es wird geurteilt, verurteilt und das obwohl man oftmals selber schon gesündigt hat. Deswegen ist mir das Thema Verantwortung zu übernehmen für sich, sein Handeln und das eigene innere Kind so wichtig. Dies gilt für alle, also auch für die Kranken (Täter/ Pädophile/ Narzissten).

Jeder Mensch verdient die Chance zu zeigen, dass er sich ändern kann. Andersherum unterlasse ich es den Moralapostel zu spielen, denn die Frage, wie das passieren konnte, dass schon wieder ein Kind missbraucht wurde, wird nicht gestellt. Auch Eltern tragen Verantwortung. Wenn ich auf die Idee kommen sollte, mich als Kind auszugeben um Pädophile zu entlarven, dann nur mit dem Ziel, dass ich diese Menschen dazu bewege, Verantwortung zu übernehmen und sich Hilfe zu suchen, damit man sich und eben auch die Gesellschaft davor schützt, nachhaltig schaden zu nehmen. Wer jetzt immer noch mit Pfeilen auf mich schießt oder mit dem Finger auf mich zeigt, weil er glaubt, ich würde diese Menschen, die anderen Menschen großes Leid angetan haben, schützen, schönreden oder ihre Tat mit ihrer Krankheit rechtfertigt, dem möchte ich ans Herz legen, diesen Text noch mal von Anfang bis Ende zu lesen oder sich noch ein weiteres Zitat von Lydia Benecke vor Augen zu halten:

Ich erlebe immer wieder, dass Täter mir danken. Dafür danken, dass meine Kollegen und ich sie respektvoll behandeln und mit ihnen arbeiten. Mehrmals sagten Straftäter zu mir: Für die Menschen da draußen sind Leute wie ich einfach Monster, die sie am liebsten umbringen würden. Aber Sie sehen uns als Menschen, behandeln uns auch so und tun das, weil sie glauben, dass wir die Möglichkeit haben, uns zu verändern. Danke dafür.“

Die Liebe empathischer Menschen

von Luca Rohleder

Narzissten und Empathen sind gar nicht so verschieden. Beide haben die gleichen Wunden und Themen nur jeder geht anders damit um- so wie er es gelernt hat oder so wie es sich für ihn/sie am besten anfühlt.

Ich habe mich in dem Buch „Die Liebe empathischer Menschen“ von Luca Rohleder vom ersten Moment an gut begleitet, unterstützt und angenommen gefühlt. Der Autor spricht in einer sehr wertschätzenden und mitfühlenden Art und Weise den Leser an, scherzt sogar zwischen durch, sagt sogar selbst, dass Humor eine gute Methode ist um das Eis zu brechen.

Jetzt denken manche sicher, was rezensiere ich Leonard Anders, (Ex Narzisst) das Buch eines Empathen. Nun mir wurde auch mal irgendwann HSP diagnostiziert, bzw. es wurde festgestellt, ich sei hochsensibel und manchmal auch hochempfindlich bzw. hochempfindsam. Ich habe auch oft die Schuld bei mir gesucht und wollte es allen recht machen. Irgendwann ist es dann umgeswitscht ins narzisstisch, abwehrende, weil ich es Leid war in mir das Opfer zu sehen.- Ich war schon immer gut darin Gesten und Mimiken zu deuten. Man kann das Scanner- Persönlichkeit nennen oder auch gute Menschenkenntnis oder einfach nur „empathisch“. Es gilt nur zu unterscheiden zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung und Projektion.

Das Buch jedenfalls konnte ich gut lesen und es las sich flüssig. Die Sprache war klar und verständlich. Wer sich mit sich selbst auseinander setzen will und vielleicht erfahren will, warum er so verletzlich ist, warum er manches intensiver wahrnimmt als manch ein anderer (aufpassen, wir Menschen neigen dazu uns zu vergleichen und Abwertung und Erhöhung sind auch Repertoire jedes Menschen) der trifft mit diesem Buch eine gute Wahl. 
Die Differenzierung der Gratwanderung von wahrer Liebe und hoher Verletzlichkeit ist dem Autor dieses Buches jedenfalls gelungen. Es ist zwar sehr detailliert beschrieben, aber keinesfalls langweilig oder langatmig.

Lucas Defintion vom Ich, also sein Drei Instanzen Modell angelehnt an Freud ist das, was ich auch schon kannte und wonach ich lebe. Das mit dem Neugeborenen-Ich kannte ich noch nicht, hat mir aber sehr geholfen das ein oder andere für mich besser zu erschließen.

Danke jedenfalls für dieses wertvolle und gute Buch. Danke Luca Rohleder, dass du das geschrieben hast. 
Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Das Trauma von der Seele schreiben

von Stefan Konrad Niederwieser

Schreiben befreit. Wer schreibt der bleibt. Bislang bekannte Phrasen, die durch dieses Buch nochmal unterschrieben werden. Ja schreiben befreit und es kann sogar heilen, denn was raus ist, ist raus.

Dem Autor gelingt es in sehr klarer und doch verständlicher und vor allem einfühlsamer Sprache seine Leser mitzunehmen in seine Gedanken und in sein Anliegen. Man fühlt sich sofort abgeholt und das bleibt auch so von der ersten und letzten Seite. Ich dachte eine Zeit lang, dass er über mich schreibt, denn ich erkannte viele Parallelen. Vor allem die aufgeführten Erfahrungen während des Schreibens kann ich zu 100% teilen. Schreiben hatte auch für mich bislang immer eine sehr befreiende und fast schon heilende Wirkung. Das Schreiben half mir schon das ein oder andere mal, meine Gedanken zu sortieren, meine Handlungen zu reflektieren und meine Gefühlswelt deutlicher wahrzunehmen.

Der Autor arbeitet selber als Traumatherapeut und erzählt genau was ein Trauma ist, was es auslöst, er unterscheidet zwischen Entwicklungs- und Schocktrauma und hat mir geholfen ebenso dazu zu lernen. Fachlich hatte ich das Gefühl, dass er genau weiß wovon er schreibt und das zieht sich durch das ganze Buch. Ich wusste das Schreiben immer hilft, aber er hat es nochmals untermauert und mit sehr sinnigen Beispielen (teilweise sogar aus dem eigenen (Er-)leben) belegt.

Die empfohlenen Übungen sind leicht umsetzbar und daher aus meiner Sicht für jeden umsetzbar. Ich werde einige seiner Übungen auf jeden Fall in mein Coachingprogramm aufnehmen und meine Klienten damit arbeiten lassen.

Ich kann dieses Buch jedem uneingeschränkt empfehlen, der sich mit Trauma beschäftigt, und nach einer einfachen Methode sucht, ohne dafür monatelang auf einen Therapieplatz zu warten.

Den Zwang entwickelt das Ego

Wie ich lernte auf mein inneres Kind zu hören

TRIGGERWARNUNG:

Ich möchte Ihnen gerne vor dem Genuss dieser Lektüre (und auch dieses Textes) einen kleinen Hinweis geben, der es Ihnen eventuell leichter macht, sich im Falle eines Triggers von ihren Gedanken, die Sie dann umgeben, zu lösen und zwar liebevoll und ganz ohne Selbstvorwürfe.


Ich arbeite viel mit Selbstsuggestion und NLP. (www.einfach-anders.coaching.de) . Ja ich habe mich zum Coach ausbilden lassen. Ich bin jetzt mein eigener Coach.

Das heißt, ich programmiere meine Denkmuster um. Aus „Ich muss“ wird ein liebevolles „Ich darf“. Dabei bin ich achtsam und mir über die Wirkung meiner Programmierung bewusst. Ich lerne nach meinen eigenen inneren Regeln mein Leben zu leben. Natürlich gibt es Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Diese aber legt jeder für sich selber fest. Und ebenso ist jeder für die Bekanntmachung und Einhaltung der eigenen Grenzen verantwortlich.

Ein einfaches Nein zu den anderen kann ebenso Wunder bewirken, wie ein liebevolles JA zu sich selbst.

Atmen aber nicht vergessen.

Gern unterstütze ich Sie dabei, es mir gleich zu tun. Aber Sie müssen es natürlich nicht. Ich bin vollkommen Erwartungslos. Was sie tun, oder nicht tun, entscheiden ganz alleine Sie. Ich biete es Ihnen lediglich an. Ich persönlich tue auch nur noch das was ich will und nicht was ich muss. Das heißt auch, dass ich bei manch verlockenden Angeboten Nein sage, weil ich mir gerade wichtiger bin.

Und ich lebe dafür. Ich will mein Leben nur noch bewusst leben. Und wenn ich einen Rückfall habe, begegne ich mir ebenso liebevoll, wie anderen, weil ich zum einen weiß wie das geht, zum anderen aber auch, weil ich die Konsequenzen kenne, wenn ich dem nicht nachgehe. Wenn ich mich und meine Bedürfnisse ignoriere, darf ich mich nicht wundern, dass mein Umfeld mich nicht sieht. Sie sehen nur, was ich Ihnen zeige. Und wenn ich so tue als wäre alles ok, dann ist das ganz allein meine Verantwortung. Wenn ich Angst habe mich zu öffnen, liegt es auch eher an dem, was ich befürchte, selten aber an dem was gerade wirklich ist. Bin ich aber achtsam und mache mir bewusst was gerade ist, dann löst sich meine Angst meist von selbst auf.

Es ist nicht die Angst vorm Scheitern, die mich daran hindert es tun, sondern meine Gedanken über die möglichen Eventualitäten die mich es gar nicht erst versuchen lassen. Und dann scheitere ich erst recht.

Es heißt nicht: „Da muss man durch“ oder „Ich muss stark sein für die anderen“ sondern „Ich lebe von nun an selbstbestimmt“

Ein Beispiel:
Ich höre immer wieder, dass man arbeiten muss, auf Klo gehen muss, schlafen muss und überhaupt das Leben aus sehr vielen Pflichten besteht.
Ich muss aber nicht arbeiten. Ich darf es aber gerne tun, wenn ich es will. Sie müssen auch nur arbeiten, wenn Sie wollen. Natürlich können Sie sich hinter dem Argument verstecken, dass man manchmal arbeiten muss, gerade dann wenn es unangenehm ist, wenn es z.B sehr heiß draußen ist.
Nun irgendwann aber haben Sie sich entschieden, dass Sie in diesem Beruf arbeiten wollen. Das ist wie in der Ehe. Es gibt gute Zeiten und es gibt schlechte Zeiten. Sagen Sie mir jetzt bitte nicht, dass Sie das nicht gewusst haben, Sie sich also nicht darüber bewusst waren, dass es bei der Arbeit immer leicht ist. Und selbst dann können Sie sich selbst sagen: Ich will, weil ich will und nicht weil ich muss.
Außerdem können sie bei Hitze langsamer arbeiten, oder Pausen einlegen. Zu diesem Thema werden Sie im Laufe dieses Buches noch mehr erfahren. Sich Zeit nehmen, für sich, für Pausen und für Achtsamkeit.

Niemand kann sie zwingen durchzuarbeiten. Der Chef sagt Ihnen, was er von Ihnen vielleicht erwartet. Sie aber entscheiden, wie Sie es umsetzen. Der Chef hat nichts davon, wenn Sie sich übernehmen, weil Sie denken, dass er es erwartet und Sie dann sich verheben oder ausbrennen. Warum also denken Sie , dass Sie etwas tun müssen, weil es der Chef von Ihnen erwartet?

Wie die Überschrift schon sagt: Der Zwang kommt aus dem Inneren, aus ihrem Inneren. Diesen Zwang entwickelt ihr Ego, was Ihnen sagt, was sie angeblich tun müssen, was ihr Herz aber überprüfen kann, man nennt es auch reinfühlen.

Sie sind zwar geprägt von ihren ersten Bezugspersonen, aber Sie sind jetzt alt genug selber die wichtigste Bezugsperson für ihr inneres Kind zu sein. Sie dürfen das wirklich. Sie sind jetzt selbst erwachen und dürfen eigene Entscheidungen treffen. Und ihr Ego hat damit absolut nichts zu tun.

Ein weiteres Beispiel:

Wenn ich krank bin, bin ich krank. Das schlechte Gewissen tausche ich gegen den Krankenschein ein.
Ich muss auch nicht gesund werden. Aber ich will gesund werden. Und ich werde gesund. Alles zu seiner Zeit. Was passiert, das passiert.

Das funktioniert aber nicht auf Drang und Zwang, sondern nur mit einer liebevollen Einstellung gegenüber mir selbst. Das heißt ich kümmere mich um mich. Ich gebe mir was ich brauch. Ich brauche Entspannung. Und jedes Mal wenn ich den Gedanken wahrnehme, dass ich gesund werden muss, dann atme ich und lächele umso entspannter.
Bis zu meinem Zusammenbruch war ich genauso. Ich dachte ich darf nicht krank sein, muss arbeiten und darf bloß keine Schwäche zeigen. Ich hinkte meinen eigenen Erwartungen hinterher, die ich auf mein Umfeld projizierte. Ich ging davon aus, nur was Wert zu sein, wenn ich viel leiste.
Dass ich aber genug leiste, fiel mir nicht auf. Nein ich dachte, ich muss weiter machen, immer weiter. Mein Ego verglich mich ständig mit anderen. Es war wie ein innerer Zwang. Ich musste besser sein als die anderen. Und ich brauchte die Bestätigung. Wozu das alles? Um krank zu werden?

Was meinen Sie, was passierte, als ich dann nach meinem Klinikaufenthalt bei der Arbeit das erste Mal Schwäche zeigte und dann dazu stand?


Nichts.
Ich wurde nicht ausgelacht.
Aber ich bekam Mitgefühl.
Ich durfte Sein ohne dafür was zu tun.
Geil!
Mein inneres Kind machte Luftsprünge. Es durfte sich zeigen, wie es ist. Ich durfte zeigen zu welchen Gefühlen ich in der Lage bin. Ich konnte meine Maske ablegen. Mein Ego hatte Sendepause. Ich gewann Sicherheit. Und ich fühle mich absolut bestätigt, mich für den richtigen Weg entschieden zu haben. Und die Zwangsstörung meines Egos konnte heilen.

Und ich lernte in der Klinik wirklich achtsamer zu sein, in erster Linie zu mir selber, im Umkehrschluss aber auch ganz automatisch für andere.

Was Sie von dem, was ich hier schreibe mitnehmen und für sich übernehmen, entscheiden Sie selbst. Ich erwarte nichts von Ihnen außer, wenn Sie sich entscheiden etwas zu tun, dass Sie es bewusst machen und weil Sie es wollen. Bitte fühlen Sie sich nicht genötigt jeden Rat, den Sie hier lesen anzunehmen. Ich möchte Ihnen nur das Angebot machen, sich selbst mit Achtsamkeit, Respekt und Liebe zu begegnen.
Wie Sie es am Ende umsetzen, liegt ebenso an Ihnen.

Wie Sie vielleicht wissen: Niemand ist perfekt, also bin ich es auch nicht. Auch ich bin hin und wieder unbewusst. Auch ich falle in alte Muster oder fülle die Opferrolle aus. Und wenn mir das auffällt oder zurück gemeldet wird, denke ich mir: Wieder was gelernt über mich. Danke!
Ich lerne also wie Sie immer wieder neu dazu. Ich nehme alles an, setze aber nur das um, was ich will. Ich akzeptiere jede Meinung, finde deswegen aber nicht alles gut. Was ich aber gut finde ist, wenn Sie eine eigene Meinung haben.

Und sollte Sie der Text nun getriggert haben, begegnen Sie sich bitte liebevoll. Sie haben sich dafür entschieden diesen Text zu lesen. Genauso dürfen Sie nun entscheiden, was Sie sich selber (also auch ihrem inneren Kind) Gutes tun.

In diesem Sinne
Viel Gutes auf ihren Wegen.

Ihr Leonard Anders

Die Überwindung der Angst vor Veränderungen

Über die fehlende Zuversicht, dass alles anders wird, wenn man sich verändert und wie man diese Zuversicht doch erlangen kann

 

Von Nichts kommt nichts, war einer der ersten Sprüche, die mich einst motivierten etwas zu tun, was ich vorher noch nie getan hatte. Nämlich etwas zu tun, von dem ich nicht überzeugt war. Ich dachte nicht an die Möglichkeit dass es gelingen könnte, sondern ich war der Überzeugung, dass die Sache scheitern würde. Am Ende war ich dann derjenige an dem sich alle ein Beispiel nahmen. Ich kann da jetzt zwar nur für mich sprechen, aber so war es aus meiner Sicht.
Auch Probieren geht über Studieren ist so ein Spruch, der im ersten Moment wie eine Phrase klingt, aber am Ende dann doch ganz viel Wahrheit beinhaltet. Denn ob eine Sache gelingt erfährt man tatsächlich nicht, wenn man darüber nachdenkt, sondern wenn man es ausprobiert. Deswegen ja auch: „Probieren geht über Studieren“.

Und so ist das bei jeder Übung die ich in diesem Buch vorstelle oder bei jedem Versuch etwas zu verändern an der eigenen Lage. Man muss sich da schon ein Stück weit selbstständig bewegen um etwas zu bewegen im eigenen Leben. Auch wenn Nichtstun auch eine Lösung ist, heißt es nicht, dass reines Nichts-tun immer die Lösung ist. Wenn man sonst immer nur ganz viel getan hat, ist Nichts-tun eine Alternative. Wenn man aber nicht weiß was man tun soll, dann ist „Etwas tun“ oder „Etwas anders machen als zuvor“ nicht nur bloß eine von mehreren Optionen, sondern tatsächlich eine Möglichkeit tatsächlich etwas verändern zu können, am eigenen Tun und Sein.

Kognition und Emotion sind zwei paar verschiedene Schuhe. Es dauert manchmal solange wie es dauert. Heilung passiert nicht durch angelesene Theorie sondern durch erfahrene Praxis, sprich neue Erfahrung. Die Theorie ist nur das Fundament oder die ergänzende Begleitung. Sie öffnet Türen, hindurch gehen oder ausprobieren muss man aber selbst. Manchmal bietet sich auch ein Training an mit einem einfühlsamen Therapeuten oder Coach.

Wie funktioniert Heilung?

Das ist bei jedem anders. Aber mir hilft es das angelesene Wissen auszuprobieren. Jeder ist da individuell in seinem Tempo und seinen Ausführungen. Wichtig ist auch, dass man nicht so schnell eine Veränderung erwartet. Ungeduld ist da ein schlechter Ratgeber. Zuversicht dass es einen Sinn hat, ist aber etwas, was durchaus einen Sinn hat. Nichts ändert sich von jetzt auf gleich.
Das ist ein Prozess. Und der Erfolg macht sich erst bemerkbar, wenn er eingetreten ist.
Übung macht nun mal den Meister. Wer zuviel erwartet wird enttäuscht.

Wie motiviere ich mich selber den ersten Schritt zu gehen?

Viele von uns wurden als Kinder mit dem Belohnungssystem konfrontiert, teilweise sogar konditioniert, was zur Folge hatte, dass manch einer am Ende abhängig war von der Anerkennung anderer, die er für seine guten Leistungen erhielt. Die Belohnung war der Köder zu tun was getan werden musste. „Abliefern!“ Entsprach man aber einmal nicht den Erwartungen, gab es auch kein Lob mehr. Was gut gemeint war um jemanden für gute oder herausragende Leistungen zu motivieren, war auch gleichzeitig ein Tritt in die Magengrube für den Selbstwert, der einerseits unter dem Druck litt gut sein zu müssen um Lob zu erfahren, gleichzeitig aber auch die Versagensangst aufbaute und damit den Glaubenssatz entwickelte: Ich bin nur was wert, wenn ich gute Leistungen abliefere.

Jedoch darf man nicht vergessen, dass man immer was wert ist, unabhängig welche Leistung man abliefert. Dieses Denken anzunehmen ist kognitiv einfach, aber emotional umzusetzen dafür umso schwerer, einfach weil man es niemals so kennen gelernt hat, und deswegen nun der Überzeugung ist, dieses oder jenes nicht zu verdienen, weil die eigene Leistung weder herausragend ist und die Anerkennung von Außen fehlt.
Diese Anerkennung sich selbst zu geben, wurde nicht gelernt. Die Angst nicht zu genügen entsteht und bildet sich permanent aus. Das Gehirn speichert diese Gedanken und fortan gilt dieser Glaubenssatz als Lebenswirklichkeit, die eben aber auch den Betreffenden daran hindert, später Zuversicht zu verspüren, dass sich ein gutes Gefühl einstellt, wenn man sich selbst etwas Gutes tut, man für sich sorgt oder sich gar auf den Weg macht, sein Denken und Tun zu verändern. Viele von uns denken aufgrund dieser Konditionierung es nicht verdient haben jemals glücklich zu sein, mehr noch verlieren sie den Glauben an das Gute im Leben. Die eigenen Gedanken behindern uns dann, an unseren neuen Weg zu glauben, eine Übung auszuführen oder gar einen Therapeutin aufzusuchen, weil es nichts bringt, es niemals besser wird und man niemals glücklich wird.

Nach meinen eigenen Erfahrungen jedoch kann man diesem Belohnungssystem von früher, in der heutigen Zeit etwas Positives abgewinnen, wenn man diesen ins Positive umkehrt. Und Zwar: wenn ich etwas für mich tue, belohne ich mich selbst und sei es nur mit dem Gefühl mir selber etwas Gutes getan zu haben. Ich persönliche habe einige Rituale in mein Leben eingebaut. Zu Zeiten wo ich noch voll erwerbstätig war und einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachging, nahm ich mir einerseits jeden Tag etwas vor, worauf ich mich freuen konnte (so fiel mir die Arbeit leichter), andererseits führte ich auch ein Feierabendritual ein. Auf halber Strecke zwischen Arbeitsplatz und Wohnort gönnte ich mir auf einer Parkbank sitzend jeden Tag eine kalte Cola oder ein kühles Malzbier und dazu eine Zigarette.

Des weiteren habe ich es mir angewöhnt, mir selber jeden Morgen beim Aufstehen selber einen guten Morgen zu wünschen. Dieser Umstand motivierte mich nachhaltig mit dem richtigen Bein aufzustehen.

Auch wenn ich manchmal einen Rückfall habe, erweist sich mein eigenes Belohnungssystem für mich als Glücksfall, schaffe ich es doch sowohl bei schlechter Stimmung gut für mich zu sorgen, als auch mich über die kleinen Erfolge im Leben zu freuen. Ich lobe mich selbst ohne danach zu stinken.

Und da wir dieses Thema mit einem schlauen Spruch bzw. einer Redensart eingeleitet haben, möchte ich mit einem weiteren schlauen Spruch dieses Thema erst mal ad acta legen: „Versuch macht klug“. Versuchen Sie einfach ihr Glück, sich selbst der Freund zu sein, den sie am meisten brauchen. Versuchen sie sich selber zu motivieren auch bei Rückfällen und dem Anflug negativer Gedanken mit Nachsicht zu begegnen. Sie haben es verdient glücklich zu sein und das zu jeder Tageszeit. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen beim Ausprobieren.