Kategorie: Rezensionen

 

Mit Respekt und Liebe erziehen von Shefali Tsabary

Warum Bestrafung bei Kindern nicht hilft und was sie stattdessen tun sollten

Gibt es irgendjemanden der darauf steht gemaßregelt zu werden, ständig korrigiert, kritisiert, für Fehler die nur all zu menschlich sind, sei es von Arbeitskollegen, vom Chef, von Nachbarn oder von irgendwelchen Leuten, sei es auf der Straße oder im Internet? Fürchten wir nicht (alle) irgendwann einmal die Angst etwas falsch zu machen, nicht zu genügen oder gar abgelehnt zu werden? Falls manch einer sich nicht direkt angesprochen fühlt, schauen Sie sich gerne in ihrem Umfeld um. Kennen sie nicht zufälligerweise eine Person, die es hasst (ständig) gemaßregelt zu werden?

Kinder jedenfalls mögen dies auch nicht. Und trotzdem werden sie bestraft für Dinge, die aus Elternsicht falsch laufen. Statt mit Liebe und Respekt eine Beziehung zu gestalten, wird immer noch mit Disziplinierung und Bestrafung erzogen, selbst wenn dies wahrscheinlich im Nachhinein nicht gewollt war.

Im Volksmund unterstellt man (uns) KRITIKUNFÄHIGKEIT!!!

Dabei ist es nur die mangelnde Fähigkeit miteinander zu kommunizieren und sich zu verbinden, also eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen und sich auf die gegenseitigen Bedürfnisse einzulassen bzw. ernsthaftes Interesse am Gegenüber zu zeigen. Ist es ein Bedürfnis sich ständig kritisiert zu fühlen oder andere zu kritisieren? Ist es ein Bedürfnis nur den eigenen Willen erfüllt zu bekommen, während der andere sehen muss wo er bleibt?

NEIN?

Und warum maßregeln Eltern ihre Kinder andauernd? Warum glauben viele Eltern, dass ihr Kind nach ihrer Pfeife tanzen muss und dass es ein Zeichen von Respektlosigkeit sein soll, wenn ein Kind gegen Regeln verstößt, die es selbst nicht aufgestellt hat und die auch nicht adäquat kommuniziert oder vorgelebt wurden? Warum kritisieren manche Eltern Kinder für etwas, was aus Elternsicht anders oder besser gemacht werden könnte? Bestrafung jedenfalls ist keine Motivation etwas besser zu machen, sondern ein Grund verbittert zu sein und dagegen zu rebellieren. Wenn ein Kind sich ungerecht behandelt fühlt, verhält es sich ähnlich, wie jemand, der gerade vom Chef gemaßregelt wurde. Ja die Eltern sind wie der Chef.

Angeblich soll man ja aus Fehlern lernen. Das ist leider in der Form nicht richtig. Richtig heißt es, dass wir aus Erfahrungen lernen und diese Erfahrung machen wir durch Beziehung, durch reflektierende Gespräche, durch Erkennen anderer Sichtweisen und nicht durch Disziplinierung durch den Erziehungsberechtigten oder Chef. Oder haben Sie noch Freude zu lernen, wenn Sie sich ständig rechtfertigen müssen oder Sie einfach nur dieses Gefühl haben, es tun zu müssen?

Nicht gut genug zu sein, ist kein schöner Gedanke. Aber viele denken es. Und in der Kindheit wird dafür der Grundstein gesetzt.

Shebaly Tsafary jedenfalls hat in ihrem Buch „Mit Respekt und Liebe erziehen“ viele wichtige Hinweise gegeben, wie eine Er(Be)ziehung zu unseren Kindern gelingt. Sie schreibt in sehr einfühlsamer Sprache, teils aus Erfahrung mit ihrer eigenen Tochter, als auch gespickt mit Fallbeispielen was wir stattdessen tun können, anstelle von Diszilplinierung und Bestrafung. Kinder dürfen aus den natürlichen Folgen des Lebens lernen, sei es, wenn sie den Bus verpassen und zu spät kommen, die heiße Herdplatte berühren oder wenn sie mit ihren Geschwistern streiten. Es bringt nichts, wenn wir als Eltern und ständig aufspielen und meinen es besser zu wissen oder aber weil wir unser Kinder nur beschützen wollen.

Beziehungen auf Augenhöhe jedenfalls fördern den gegenseitigen Respekt, sowohl den unsere Kinder vor uns haben, als auch den wir vor unseren Kindern haben sollten, denn auch diese werden irgendwann mal an unserer Stelle sein und dann wäre es hilfreich, wenn sie zu einem anderen Konfliktbewältigungsstil greifen, als pure Gewalt und Übergriffigkeit.

Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen.

Die Liebe empathischer Menschen

von Luca Rohleder

Narzissten und Empathen sind gar nicht so verschieden. Beide haben die gleichen Wunden und Themen nur jeder geht anders damit um- so wie er es gelernt hat oder so wie es sich für ihn/sie am besten anfühlt.

Ich habe mich in dem Buch „Die Liebe empathischer Menschen“ von Luca Rohleder vom ersten Moment an gut begleitet, unterstützt und angenommen gefühlt. Der Autor spricht in einer sehr wertschätzenden und mitfühlenden Art und Weise den Leser an, scherzt sogar zwischen durch, sagt sogar selbst, dass Humor eine gute Methode ist um das Eis zu brechen.

Jetzt denken manche sicher, was rezensiere ich Leonard Anders, (Ex Narzisst) das Buch eines Empathen. Nun mir wurde auch mal irgendwann HSP diagnostiziert, bzw. es wurde festgestellt, ich sei hochsensibel und manchmal auch hochempfindlich bzw. hochempfindsam. Ich habe auch oft die Schuld bei mir gesucht und wollte es allen recht machen. Irgendwann ist es dann umgeswitscht ins narzisstisch, abwehrende, weil ich es Leid war in mir das Opfer zu sehen.- Ich war schon immer gut darin Gesten und Mimiken zu deuten. Man kann das Scanner- Persönlichkeit nennen oder auch gute Menschenkenntnis oder einfach nur „empathisch“. Es gilt nur zu unterscheiden zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung und Projektion.

Das Buch jedenfalls konnte ich gut lesen und es las sich flüssig. Die Sprache war klar und verständlich. Wer sich mit sich selbst auseinander setzen will und vielleicht erfahren will, warum er so verletzlich ist, warum er manches intensiver wahrnimmt als manch ein anderer (aufpassen, wir Menschen neigen dazu uns zu vergleichen und Abwertung und Erhöhung sind auch Repertoire jedes Menschen) der trifft mit diesem Buch eine gute Wahl. 
Die Differenzierung der Gratwanderung von wahrer Liebe und hoher Verletzlichkeit ist dem Autor dieses Buches jedenfalls gelungen. Es ist zwar sehr detailliert beschrieben, aber keinesfalls langweilig oder langatmig.

Lucas Defintion vom Ich, also sein Drei Instanzen Modell angelehnt an Freud ist das, was ich auch schon kannte und wonach ich lebe. Das mit dem Neugeborenen-Ich kannte ich noch nicht, hat mir aber sehr geholfen das ein oder andere für mich besser zu erschließen.

Danke jedenfalls für dieses wertvolle und gute Buch. Danke Luca Rohleder, dass du das geschrieben hast. 
Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Das Trauma von der Seele schreiben

von Stefan Konrad Niederwieser

Schreiben befreit. Wer schreibt der bleibt. Bislang bekannte Phrasen, die durch dieses Buch nochmal unterschrieben werden. Ja schreiben befreit und es kann sogar heilen, denn was raus ist, ist raus.

Dem Autor gelingt es in sehr klarer und doch verständlicher und vor allem einfühlsamer Sprache seine Leser mitzunehmen in seine Gedanken und in sein Anliegen. Man fühlt sich sofort abgeholt und das bleibt auch so von der ersten und letzten Seite. Ich dachte eine Zeit lang, dass er über mich schreibt, denn ich erkannte viele Parallelen. Vor allem die aufgeführten Erfahrungen während des Schreibens kann ich zu 100% teilen. Schreiben hatte auch für mich bislang immer eine sehr befreiende und fast schon heilende Wirkung. Das Schreiben half mir schon das ein oder andere mal, meine Gedanken zu sortieren, meine Handlungen zu reflektieren und meine Gefühlswelt deutlicher wahrzunehmen.

Der Autor arbeitet selber als Traumatherapeut und erzählt genau was ein Trauma ist, was es auslöst, er unterscheidet zwischen Entwicklungs- und Schocktrauma und hat mir geholfen ebenso dazu zu lernen. Fachlich hatte ich das Gefühl, dass er genau weiß wovon er schreibt und das zieht sich durch das ganze Buch. Ich wusste das Schreiben immer hilft, aber er hat es nochmals untermauert und mit sehr sinnigen Beispielen (teilweise sogar aus dem eigenen (Er-)leben) belegt.

Die empfohlenen Übungen sind leicht umsetzbar und daher aus meiner Sicht für jeden umsetzbar. Ich werde einige seiner Übungen auf jeden Fall in mein Coachingprogramm aufnehmen und meine Klienten damit arbeiten lassen.

Ich kann dieses Buch jedem uneingeschränkt empfehlen, der sich mit Trauma beschäftigt, und nach einer einfachen Methode sucht, ohne dafür monatelang auf einen Therapieplatz zu warten.

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