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Mein Kampf gegen mich selbst

Ich gebe zu: Vor drei Jahren noch war ich ein echt übler Zeitgenosse, zumindest online. Ich duldete kaum eine zweite Meinung neben meiner, ich wusste alles besser- gleichzeitig unterstellte ich diesen Absolutismus anderen. Ich projizierte massivst, sobald mein Alarmsystem in mir ansprang. Wenn ich getriggert wurde, waren stets die anderen schuld. In Wahrheit war mein inneres Kind bloß verletzt. Und der Narzisst in mir wollte mich retten. Das gelang ihm aber nicht. Denn er zog in den Krieg. Er bekämpfte alles und jeden und vor allem bekämpfte er mich selbst.

Immer wenn das der Fall war, schlug ich wild um mich. Ich biss, ich kratze, ich kniff, ich griff zu unfairen Mitteln. Ich war zeitweise Thema in zig Foren. Eigentlich soll man sich für Aufmerksamkeit bedanken. In diesem Falle aber ist es mir mehr als unangenehm.

Ich betrachte dies jetzt aber im Nachhinein als Entwicklung. Vielleicht musste ich diese Grenzsetzungen spüren. Ja ich sage bewusst Grenzsetzungen, auch wenn es sicherlich auch von der anderen Seite her unfair war. Alle gegen einen. Wie in meiner Kindheit, wo ich stets 5 Mobber um mich herum hatte. Ein Dejavü? Könnte man meinen, dem ist aber bei weitem nicht so. Als Kind war ich hilflos, als Narzisst dazu noch machtlos. Und ich ermächtigte mich. Ich strebte nach Macht, die ich als Kind nicht hatte und die ich als Heranwachsener unbedingt erlangen wollte.

Und die anderen verteidigten sich. Mussten sie auch. Wer traumatisiert ist und re-traumatisiert wird, vergisst die gute Kinderstube. Und selbst das ist verständlich und nachvollziehbar. Ja das, was in manchen Foren (immer noch) abgeht, triggerte mich bis vor einem Jahr noch sehr. Ich sprang immer darauf an. Ich weiß auch nicht. Irgendwas in mir, wollte dieses Bild, was die Gesellschaft von Narzissten hat abwehren. Selbst wenn nicht alle Zuschreibungen auf mich zutrafen. Ich wollte das nicht. Ich identifizierte mich zu sehr mit meiner Diagnose. Und das zeigte ich auch. Je mehr ich in die Abwehr ging, desto mehr griff ich an. Ich war in manchen Beiträgen ein regelrechter Tyrann. Wie ich schon sagte- ich duldete keine zweite Meinung. Ich war Gefangener meiner eigenen Wahrnehmung.

Und ich kann verstehen, dass bei manchen der Stachel noch tief sitzt. Ich habe selber ewig gebraucht um den Tätern meiner Kindheit zu verzeihen, es ihnen also nachzusehen und auch ihr Verhalten als menschliche Reaktion anzuerkennen. Ja- es ist menschlich sich zu schützen. Es ist menschlich sich zu verteidigen. Aber es ist nicht menschlich andere anzugreifen- verbal nicht und körperlich schon gar nicht. Letzteres ließ ich glücklicherweise aus, aber emotionale Gewalt wiegt mindestens genauso schwer. Als Kind war ich dieser hilflos ausgesetzt. Als Erwachsener später drehte ich den Spies um. Ich gebe zu, das war sehr dumm. Aber ich verzeihe mir dafür. Und ich danke jedem der mir das Feedback gab, was ich benötigte.

Ja die meisten Forenbetreiber gaben sich am Anfang immer große Mühe. Erwähnen möchte ich speziell Oliver Domröse von https://simplyfeelit.de/ . Er war empathisch. Er ist es immer noch. Schön, dass es ihn gibt. Aber auch er darf anderen Grenzen setzen, wenn sie ihm zu nahe kommen. Und vor allem darf er seine eigene Meinung vertreten. Das steht sogar im Gesetz.

Anfangs ließ er sich auf das Gefecht ein. Ich sage bewusst Gefecht und nicht Spiel, denn zu spielen war nicht mein Ziel. Wie gesagt ich wollte das Bild, was die Gesellschaft von (bösartigen) Narzissten hat (welche ich eher dem Spektrum der dissozialen Persönlichkeitsstörung/ Psychopathie zuordne) abwehren. Es gefiel mir nicht. Und es gefällt mir immer noch nicht. Die Übergänge zwischen gesundem Narzissmus und einer Persönlichkeitsstörung sind fließend. Glücklicherweise wird´s dahingehend 2022 auch eine Änderung geben. (siehe auch: https://narzissmus-selbsthilfe.de/?p=423 )

Es gibt jedoch keine gesunden Übergänge bei der antisozialen Persönlichkeitsstörung. Und ich fand unerhört dass vermischt wurde. Ich hätte sicherlich anders darauf hinweisen können. Aber vor allem hätte ich anderen ihre Wahrnehmung lassen sollen, denn darauf habe ich ja auch bestanden. Ich wollte ernst genommen werden. Das funktioniert nur nicht, wenn man es bloß von anderen einfordert- man selbst aber meint das nicht zu müssen. Ich konnte es nicht. Jetzt mache ich es einfach.

Ja jeder hat ein Recht auf seine Wahrheit. Und ich bin offen für jede Meinung.

Es wird immer noch gesagt, die NPS wäre nicht heilbar. Jedoch kommt diese Wahrheit von Menschen, die ich nicht kenne. Und ich muss ja nicht jeden davon überzeugen. Meine Ärzte haben es mir bescheinigt. Meine Freunde wissen es. Und ich fühle es. Und ja, ich verstehe, dass es Menschen gibt, die das nicht glauben können. Sie kennen mich ja nicht. Sie kennen die Diagnose NPS. Und sie haben Menschen in ihrem Umfeld auf die das wohl zutrifft. Dazu die ganzen Zuschreibungen im Netz. Die Vermischungen. Da ist das eben so, dass sich dieses Bild festsetzt. Und dann soll es auf einmal anders sein.? Das triggert. Das weckt schlafende Hunde. Es öffnet alte Wunden und wie ich schon beschrieb- dann springt das Alarmsystem an.

Sie fühlen sich auch bedroht- meistens ohne dass eine unmittelbare Bedrohung vorliegt, aber sie nehmen es so wahr. Man fühlt es. Für den Einzelnen ist das Realität. Und auch das gilt es zu akzeptieren- selbst wenn man es selber ganz anders sieht.

Ich habe auch lange gebraucht um Verantwortung zu übernehmen. Ich habe ewig gebraucht um die Täter-Opfer- Spirale zu verlassen. Im Dramadreieck stehe ich manchmal noch am Rand. Aber ich hab ja noch ein Jahr Zeit, bis ich zum Heilpraktiker geprüft werde. Und Themen hat jeder Mensch. Dazu brauch man keine gesicherte Diagnose.

Und andere brauchen mindestens genauso lange. Die Einsicht muss von Innen kommen. Ratschläge sind keine guten Ratgeber.

In diesem Sinne

Euer Leonard Anders, der einst ein Buch schrieb um den Menschen zu helfen, sich selbst zu helfen- was mir bei mir selber ganz gut gelang.